Wer schon einmal durch die Ardennen gefahren ist, kennt vielleicht den Namen Arlon von den Autobahnschildern. Aber haben Sie jemals angehalten? Ich tat es vor zwei Jahren eher zufällig und entdeckte eine Stadt, die mich überraschte.
Arlon liegt ganz im Süden Belgiens, fast an der Grenze zu Luxemburg und Frankreich. Als Hauptstadt der Provinz Luxemburg vereint die Stadt römische Vergangenheit mit modernem Leben. Ca. 31.310 Einwohner (Stand 1. Januar 2024) leben hier in einer Region, die kulturell zwischen drei Ländern pendelt. Die Lage macht Arlon zu einem natürlichen Schmelztiegel der Kulturen. Französisch dominiert im Alltag, Deutsch hört man in den Geschäften, und die Älteren sprechen noch das lokale Areler Platt. Diese sprachliche Vielfalt spiegelt sich in allem wider: von der Speisekarte bis zur Tageszeitung.
Was macht diese Stadt so besonders? Warum sprechen manche Einheimische einen Dialekt, der eher nach Deutschland klingt? Und warum pilgern Menschen aus ganz Europa zu den Flohmärkten hierher?
Das Wichtigste in Kürze:
- Arlon ist die südlichste Provinzhauptstadt Belgiens und Hauptstadt der Provinz Luxemburg
- Römische Geschichte trifft auf moderne Infrastruktur mit Bahnverbindungen
- Dreisprachige Kultur mit Französisch, Deutsch und dem lokalen Areler Platt
- Beliebtes Ziel für Tagesausflüge und Grenzgänger aus Luxemburg
Arlon verbindet als südlichste Provinzhauptstadt Belgiens römische Wurzeln mit modernem Grenzland-Flair. Die strategische Lage zwischen Luxemburg und Frankreich macht sie zum idealen Ausgangspunkt für Entdeckungen in drei Ländern.
Geschichte und kulturelle Entwicklung von Arlon
Arlon blickt auf über 2000 Jahre Geschichte zurück. Schon die Römer erkannten die strategische Bedeutung dieses Hügels. Heute wandeln Besucher zwischen antiken Fundamenten und modernen Geschäften. Die Kontinuität ist bemerkenswert: Was einst als Orolaunum die Römerstraße von Reims nach Trier sicherte, fungiert heute als Verkehrsknotenpunkt zwischen drei EU-Staaten. Die Geschichte wiederholt sich, nur die Akteure haben gewechselt.
Die Stadt überrascht. Wo man Provinzialität erwartet, findet man lebendige Kultur.
Römisches Erbe und mittelalterliche Prägung
Die römische Siedlung Orolaunum entstand um 52 v. Chr. Archäologen haben Reste einer bedeutenden Römerstraße freigelegt, die Reims mit Trier verband. Diese Verbindung prägte Arlon bis heute. Wer durch die Rue de la Semois spaziert, läuft buchstäblich auf römischen Fundamenten. Die moderne Straßenführung folgt noch immer den antiken Wegen. Das ist kein Zufall, sondern praktische Kontinuität über zwei Jahrtausende hinweg.

Im Mittelalter wurde die Stadt Arlon zum Verwaltungszentrum der Grafschaft. Die Festungsanlagen auf dem Knöppchen, dem höchsten Punkt der Stadt, zeugen von dieser Zeit. Von hier oben überblickt man das gesamte Umland bis nach Luxemburg. An klaren Tagen reicht der Blick bis zu den Vogesen. Diese Aussicht erklärt, warum hier jahrhundertelang Wachtürme standen. Kontrolle über die Handelswege bedeutete Macht und Wohlstand.
Die Industrialisierung brachte im 19. Jahrhundert den Eisenbahnanschluss. Arlon wurde zum Verkehrsknotenpunkt zwischen Belgien, Frankreich und Luxemburg. Diese Rolle hat die Stadt bis heute behalten. Der Bahnhof aus dem Jahr 1885 wurde mehrfach modernisiert, aber seine Funktion blieb gleich: Menschen und Waren zwischen den Ländern zu bewegen.
Kulturelle Highlights und Museen in Arlon
Das Archäologische Museum beherbergt eine der bedeutendsten Römersammlungen Belgiens. Besonders beeindruckend sind die Grabsteine und Skulpturen aus der Antike. Der Eintritt kostet 5 Euro, für Familien gibt es Ermäßigungen. Die Sammlung entstand nicht durch systematische Ausgrabungen, sondern durch Zufallsfunde beim Hausbau. Jedes Mal, wenn in Arlon ein Keller ausgehoben wird, können römische Überreste zum Vorschein kommen.
Kulturelle Höhepunkte in Arlon:
- Gaspar Museum: Zeitgenössische Kunst in historischen Räumen
- Kirche Saint-Donat: Gotische Architektur mit modernen Glasfenstern
- Place Léopold: Zentraler Platz mit Wochenmarkt jeden Dienstag
- Maison Knopes: Kulturzentrum mit wechselnden Ausstellungen
Die Kulturszene lebt von der Mehrsprachigkeit. Theater wird auf Französisch und Deutsch aufgeführt, manchmal sogar auf Areler Platt. Das schafft eine Atmosphäre, die man sonst nur in Grenzregionen findet. Künstler nutzen diese Vielfalt bewusst: Gedichte wechseln die Sprache mitten im Vers, Theaterstücke spielen mit den verschiedenen Mentalitäten. Was anderswo Verwirrung stiften würde, ist hier selbstverständlich.
Geografie, Klima und natürliche Gegebenheiten
Arlon profitiert von seiner Lage im Süden Walloniens. Die Nähe zu drei Ländern macht die Stadt zu einem natürlichen Treffpunkt verschiedener Kulturen. Geografisch liegt Arlon im Übergang zwischen den Ardennen und dem Lothringer Stufenland. Diese Position erklärt sowohl das milde Klima als auch die strategische Bedeutung durch die Jahrhunderte.
Strategische Lage im Herzen Europas
Die Stadt liegt auf einer Anhöhe von 404 m ü. M. auf einem Hügel der Ardennen. Bis zur luxemburgischen Grenze sind es nur 15 Kilometer, nach Frankreich 20 Kilometer. Diese Nähe spürt man überall: in den Geschäften, in der Küche, in den Gesprächen auf der Straße. Pendler aus Luxemburg kaufen hier günstiger ein, Franzosen tanken billiger, Belgier arbeiten jenseits der Grenze zu besseren Löhnen. Die Grenzen sind durchlässig geworden, aber die kulturellen Unterschiede bleiben spürbar.
Arlon fungiert als natürlicher Verkehrsknotenpunkt. Die Autobahn A4 verbindet die Stadt direkt mit Brüssel im Norden und Luxemburg im Süden. Wer nach Paris oder Deutschland will, erreicht die entsprechenden Autobahnen in wenigen Minuten. Diese Erreichbarkeit macht Arlon attraktiv für Logistikunternehmen, aber auch für Familien, die flexibel zwischen drei Arbeitsmärkten wählen möchten.
Die Landschaft um Arlon ist typisch für die südlichen Ardennen: sanfte Hügel, Wälder und Wiesen wechseln sich ab. Wanderer finden hier ruhige Wege abseits des Massentourismus. Der Charme liegt in der Unaufgeregtheit. Während die nördlichen Ardennen von Touristen überlaufen sind, bewahrt sich die Region um Arlon ihre Authentizität. Hier wandert man noch allein durch den Wald.
Klimatische Besonderheiten und Wetter
Das Klima in Arlon ist gemäßigt kontinental mit ozeanischen Einflüssen. Die Sommer sind angenehm warm, aber selten drückend heiß. Durchschnittstemperaturen liegen im Juli bei 22 Grad, nachts kühlt es auf 12 Grad ab. Diese Temperaturschwankungen sind typisch für die Höhenlage. Wer aus dem heißen Luxemburg nach Arlon fährt, spürt oft einen spürbaren Unterschied.
Regen fällt das ganze Jahr über, im Sommer meist als kurze Schauer am Nachmittag. Wer Arlon besucht, sollte eine leichte Regenjacke dabei haben. Die beste Reisezeit liegt zwischen Mai und September, wenn die Tage lang und die Temperaturen mild sind. Der Herbst kann besonders reizvoll sein, wenn sich die Wälder der Ardennen verfärben.
Die Höhenlage bringt im Winter regelmäßig Schnee. Während in Luxemburg und im Rheintal Regen fällt, liegt in Arlon oft eine weiße Decke. Das sorgt für Verkehrsprobleme, aber auch für winterliche Romantik in der Altstadt.
Tourismus und Freizeitgestaltung in der Region
Tourismus spielt in Arlon eine wachsende Rolle. Die Stadt positioniert sich als Tor zu den südlichen Ardennen und profitiert von Besuchern aus dem benachbarten Luxemburg. Der Tourismus entwickelte sich organisch, ohne große Marketingkampagnen. Mundpropaganda funktioniert hier besser als Werbung.
Sehenswürdigkeiten und versteckte Perlen
Die wichtigsten Attraktionen liegen alle zu Fuß erreichbar in der Altstadt:
- Tour Romaine: Überreste des römischen Turms mit Panoramablick
- Knöppchen: Höchster Punkt mit Aussichtsturm und Parkanlage
- Rue des Faubourgs: Historische Straße mit Antiquitätenläden
- Parc des Sports: Moderne Sportanlage mit Schwimmbad und Tennisplätzen
- Circuit de l’Eau: Wanderweg entlang historischer Wasserquellen
Ein Geheimtipp ist der Friedhof Saint-Donat mit seinen kunstvollen Grabmälern aus dem 19. Jahrhundert. Von hier hat man einen schönen Blick über die Stadt. Die Gräber erzählen die Geschichte der wohlhabenden Bürgerfamilien, die Arlon prägten. Manche Grabsteine tragen deutsche Inschriften, andere französische. Selbst im Tod spiegelt sich die kulturelle Vielfalt wider.
Weniger bekannt ist die Kapelle Notre-Dame des Martyrs am Stadtrand. Sie erinnert an die Widerstandskämpfer des Zweiten Weltkriegs. Der Weg dorthin führt durch ruhige Wohnviertel und bietet Einblicke in das alltägliche Leben abseits der touristischen Routen.
Berühmte Flohmärkte und Veranstaltungen
Arlon ist berühmt für seine Flohmärkte. Jeden ersten Sonntag im Monat verwandelt sich die Innenstadt in einen riesigen Trödelmarkt. Händler aus Belgien, Luxemburg und Frankreich bieten alles von Antiquitäten bis zu Vintage-Kleidung an. Die Atmosphäre ist entspannt und familiär. Hier geht es nicht um schnelle Geschäfte, sondern um das Gespräch zwischen Verkäufer und Käufer. Manche Händler kennen sich seit Jahrzehnten und tauschen nicht nur Waren, sondern auch Neuigkeiten aus.
Der Markt beginnt um 6 Uhr morgens und endet gegen 15 Uhr. Wer die besten Stücke finden will, sollte früh kommen. Parken wird dann allerdings schwierig. Viele Besucher kommen mit dem Zug aus Luxemburg. Die Bahnverbindung macht den Marktbesuch auch ohne Auto möglich.
Regelmäßige Veranstaltungen prägen das Stadtleben: Im Juli findet das Festival des Arts de la Rue statt, im September das Oktoberfest auf belgische Art. Das Weihnachtsmarkt im Dezember zieht Besucher aus der ganzen Region an. Die Veranstaltungen sind kleiner als in den Touristenhochburgen, aber authentischer. Man trifft hier Einheimische, nicht nur andere Touristen.

Verkehrsanbindung und Infrastruktur
Arlon punktet mit seiner verkehrsgünstigen Lage. Als Grenzstadt profitiert sie von Pendlern und Durchreisenden gleichermaßen. Die Infrastruktur wurde in den letzten Jahren modernisiert, ohne den historischen Charakter zu zerstören.
Anreisemöglichkeiten und öffentliche Verkehrsmittel
Der Bahnhof Arlon liegt an der internationalen Strecke Brüssel-Luxemburg. Züge fahren stündlich in beide Richtungen. Die Fahrt nach Brüssel dauert 2,5 Stunden, nach Luxemburg 45 Minuten. Wer aus Deutschland kommt, steigt meist in Luxemburg um. Die Verbindung ist zuverlässig, aber nicht billig. Eine Fahrkarte nach Brüssel kostet etwa 25 Euro.
Mit dem Auto erreicht man Arlon über die A4 Autobahn. Von Brüssel sind es 180 Kilometer, von Köln 220 Kilometer. Die Anfahrt ist unkompliziert, da Arlon direkt an der Hauptverkehrsachse liegt. Tankstellen und Raststätten gibt es ausreichend entlang der Strecke.
Busverbindungen gibt es zu allen Gemeinden der Umgebung. Das regionale Busnetz ist gut ausgebaut, aber auf ein Auto ist man außerhalb der Stadt oft angewiesen. Die Taktung ist dünn: Manche Dörfer werden nur dreimal täglich angefahren. Wer flexibel sein will, braucht ein eigenes Fahrzeug.
Parken und lokale Mobilität
Parken in der Arlon Innenstadt ist kostenpflichtig, aber erschwinglich:
- Place Léopold: Kurzeitparken, 1,50 Euro pro Stunde
- Parking Gare: Am Bahnhof, ideal für Tagesausflüge
- Rue de Diekirch: Kostenlose Langzeitparkplätze, 10 Minuten Fußweg zum Zentrum
- Shopping-Center: Kostenlos bei Einkauf über 20 Euro
Der Bahnhof verfügt über einen großen Langzeitparkplatz. Viele Luxemburger parken hier ihr Auto und fahren mit dem Zug weiter nach Brüssel. Das kostet 3 Euro pro Tag und ist deutlich günstiger als Parken in der Hauptstadt. Diese Park-and-Ride-Funktion macht Arlon zum Verkehrsknotenpunkt der Region.
Fahrradfahren wird in Arlon beliebter. Neue Radwege verbinden die Stadt mit den Nachbargemeinden. Ein Verleihsystem gibt es noch nicht, aber mehrere Geschäfte bieten Fahrräder zur Miete an.
Kulinarik und Gastgewerbe
Die Küche in Arlon spiegelt die Grenzlage wider. Französische Raffinesse trifft auf belgische Gemütlichkeit und luxemburgische Einflüsse. Das Ergebnis ist eine eigenständige Regionalküche, die das Beste aus drei Traditionen vereint.
Restaurants und gastronomische Vielfalt
Die Gastronomie profitiert von der kulturellen Vielfalt:
- Le Bistrot: Französische Küche mit lokalen Zutaten, Hauptgerichte ab 18 Euro
- Zur Krone: Deutsche Küche mit Areler Platt sprechender Bedienung
- Café Central: Traditionelles belgisches Café mit über 40 Biersorten
- La Table du Boucher: Steakhouse mit Fleisch aus der Region
- Pizzeria Roma: Familiengeführt seit drei Generationen
Regionale Spezialitäten sind Areler Kachkéis (ein würziger Käse), Judd mat Gaardebounen (Schweinefleisch mit Bohnen) und natürlich belgische Pralinen von der Chocolaterie Darcis. Der Käse wird noch in traditionellen Kleinbetrieben hergestellt und schmeckt in jedem Dorf etwas anders. Das liegt an den verschiedenen Kräutern, die die Kühe auf den Weiden fressen.
Die Bierkultur verbindet belgische Tradition mit deutschen Einflüssen. Lokale Brauereien produzieren Spezialbiere, die nur in der Region erhältlich sind. Das „Arlon Blonde“ wird nach einem Rezept aus dem 18. Jahrhundert gebraut und passt perfekt zur regionalen Küche.
Unterkünfte für jeden Geldbeutel
Arlon bietet Unterkünfte für jeden Geldbeutel. Das Hotel des Druides im Zentrum kostet 85 Euro pro Nacht im Doppelzimmer. Günstiger ist das Ibis Budget an der Autobahn für 55 Euro. Die Preise variieren je nach Saison und Veranstaltungen. Während des monatlichen Flohmarkts sind alle Hotels ausgebucht.
Ferienwohnungen buchen viele über Airbnb. Eine Zwei-Zimmer-Wohnung kostet etwa 60 Euro pro Nacht. Wer länger bleibt, findet auch möblierte Apartments für Wochenmiete. Besonders Geschäftsreisende nutzen diese Option, da sie günstiger ist als Hotels.
Camping ist im Camping Warsberg möglich, 8 Kilometer außerhalb der Stadt. Der Platz liegt am Waldrand und kostet 15 Euro pro Nacht für zwei Personen mit Zelt. Die Ausstattung ist einfach, aber sauber. Wohnmobile sind willkommen, Stromanschluss kostet extra.
Sprache und kulturelle Identität
Arlon ist ein Ort, wo Sprachen aufeinandertreffen. Diese Vielfalt prägt das tägliche Leben und macht die Stadt zu etwas Besonderem. Die Mehrsprachigkeit ist nicht aufgesetzt, sondern gewachsen über Jahrhunderte der Grenzlage.
Das Areler Platt und seine Bedeutung
Areler Platt gehört zu den moselfränkischen Dialekten und klingt für deutsche Ohren vertraut. Der Dialekt ist stark vom Aussterben bedroht; genaue Sprecherzahlen nicht quantifiziert, aber hauptsächlich Ältere sprechen noch diesen Dialekt, meist die ältere Generation. Die Jüngeren verstehen ihn oft, sprechen ihn aber nicht mehr aktiv. Das ist schade, denn mit der Sprache geht auch ein Stück Identität verloren.
Der Dialekt entstand durch die jahrhundertelange Zugehörigkeit zum Heiligen Römischen Reich. Bis 1839 gehörte Arlon zum Großherzogtum Luxemburg. Diese Geschichte lebt in der Sprache weiter. Wörter und Redewendungen, die im Hochdeutschen verschwunden sind, haben hier überlebt.
Heute wird Areler Platt vor allem zu Hause und bei traditionellen Festen gesprochen. Die Stadt bemüht sich um den Erhalt durch Sprachkurse und kulturelle Veranstaltungen. Straßenschilder sind dreisprachig: Französisch, Deutsch und auf Areler Platt. Diese Sichtbarkeit ist wichtig für das Bewusstsein der Bevölkerung.
Traditionen und kulturelle Veranstaltungen
Die Maitrank-Tradition verbindet Arlon mit der Eifel und Luxemburg. Im Mai wird der Waldmeisterbowle in geselliger Runde getrunken. Viele Gasthäuser bieten dann spezielle Maitrank-Abende an. Das Ritual ist einfach: Waldmeister wird mit Weißwein angesetzt und mit Sekt aufgegossen. Wichtig ist das gemeinsame Trinken und Erzählen.
Das Schueberfouer im September ist ein Volksfest nach luxemburgischer Art. Karussells, Imbissstände und Bierzelte verwandeln die Innenstadt für eine Woche. Die Atmosphäre ist familiär, weniger kommerziell als große Jahrmärkte. Kinder kennen die Schausteller noch beim Namen, Familien treffen sich jedes Jahr am gleichen Stand.
Musikalisch pflegt Arlon die Blasmusik-Tradition. Mehrere Vereine proben regelmäßig und treten bei Stadtfesten auf. Die Harmoniemusik spielt eine Mischung aus deutschen, französischen und belgischen Stücken. Nachwuchssorgen gibt es wie überall, aber die Tradition lebt weiter.
Wirtschaftsstandort und Arbeitsmarkt
Arlon profitiert von seiner Grenzlage wirtschaftlich. Viele Unternehmen nutzen die Stadt als Tor zu drei Märkten. Die Wirtschaftsstruktur ist vielfältig und weniger anfällig für Krisen als monoindustrielle Standorte.
Moderne Wirtschaftsstruktur und Branchen
Die Wirtschaft ist breit aufgestellt. Logistik spielt eine große Rolle wegen der zentralen Lage. Mehrere Speditionen haben hier ihre Belgien-Zentrale. Die Nähe zu Luxemburg bringt Finanzdienstleister in die Stadt. Viele Banken und Versicherungen unterhalten Büros für ihre belgischen Kunden.
Es gibt kein IKEA in Arlon. Das schwedische Möbelhaus zieht Kunden aus ganz Wallonien und Luxemburg an. Dadurch entstanden neue Arbeitsplätze im Einzelhandel und in der Gastronomie. Das Einzugsgebiet reicht bis nach Metz und Trier. An Wochenenden herrscht Hochbetrieb auf dem Parkplatz.
Die Landwirtschaft prägt das Umland. Milchwirtschaft und Rinderzucht sind traditionell stark. Moderne Betriebe setzen auf Direktvermarktung und Agrotourismus. Hofläden und Bauernmärkte boomen, besonders bei Kunden aus Luxemburg, die Wert auf regionale Produkte legen.
Arbeitsplätze und Pendlerströme
Die Arbeitslosenquote liegt in Arlon bei 8 Prozent, etwas unter dem wallonischen Durchschnitt. Viele Einwohner pendeln nach Luxemburg, wo die Löhne höher sind. Das führt zu einem interessanten Phänomen: Arlon ist abends und am Wochenende lebendiger als tagsüber. Die Pendler bringen Kaufkraft mit, die lokale Geschäfte stärkt.
Lokale Arbeitgeber sind das Krankenhaus Vivalia, die Stadtverwaltung und mehrere mittelständische Unternehmen. Die Nähe zur Universität Luxemburg bringt auch Bildungsarbeitsplätze. Professoren und Studenten schätzen die günstigeren Mieten in Arlon bei guter Erreichbarkeit der Uni.
Startups finden in Arlon günstige Büroräume und gute Verkehrsanbindung. Ein Gründerzentrum unterstützt junge Unternehmen mit Beratung und Netzwerk. Besonders IT-Firmen profitieren von der Nähe zu Luxemburg als Finanzplatz und den niedrigeren Kosten in Belgien.
Praktische Informationen für Besucher
Wer Arlon besucht oder hier lebt, findet eine gut ausgestattete Stadt mit allem, was man braucht. Die Infrastruktur ist modern, ohne dass der Charme der Kleinstadt verloren gegangen wäre.
Einkaufsmöglichkeiten und Services
Einkaufen geht in Arlon entspannt:
- Carrefour: Großer Supermarkt mit Non-Food-Sortiment
- Delhaize: Belgische Supermarktkette mit frischen Produkten
- Basic Fit: Modernes Fitnessstudio, 24/7 geöffnet
- L’Orange Bleue: Fitnessstudio mit Kursprogramm
Die Innenstadt hat viele kleine Geschäfte und Boutiquen. Donnerstags ist Markttag auf der Place Léopold mit regionalen Produkten. Der Markt ist klein, aber fein: Hier kaufen Einheimische ihr Gemüse und ihren Käse. Touristen sind willkommen, aber nicht die Hauptzielgruppe.
Besonders praktisch ist die grenzüberschreitende Einkaufsmöglichkeit. Belgische Schokolade, luxemburgische Weine und französische Käsesorten gibt es alle in Arlon. Die Geschäfte haben sich auf die verschiedenen Geschmäcker eingestellt.
Wichtige Kontakte und Adressen
Wichtige Anlaufstellen in Arlon:
- Tourist Info: Place Léopold 1, Tel. +32 63 21 63 60
- Bahnhof: Place de la Gare, Fahrkarten und Information
- Rathaus: Place Léopold 1, Bürgerdienste Mo-Fr 8-16 Uhr
- Krankenhaus: Avenue de Houffalize 35, Notaufnahme 24h
- Polizei: Rue de Sesselich 36, Tel. +32 63 53 10 00
Die Touristeninformation ist gut ausgestattet und hilft auch bei der Zimmersuche. Kostenlose Stadtpläne und Wanderkarten gibt es dort ebenfalls. Das Personal spricht Französisch, Deutsch und Englisch. Manche Mitarbeiter können auch etwas Areler Platt, was bei älteren Besuchern gut ankommt.
Häufig gestellte Fragen zu Arlon
Wo liegt Arlon?
Arlon liegt im Süden Belgiens in der Provinz Luxemburg, nur 15 Kilometer von der luxemburgischen Grenze entfernt. Die Stadt ist die südlichste Provinzhauptstadt Belgiens und Hauptstadt der gleichnamigen Provinz.
Wie komme ich nach Arlon mit dem Zug?
Arlon ist per Zug stündlich von Brüssel (2,5 Stunden) und Luxemburg (45 Minuten) erreichbar. Der Bahnhof liegt zentral, alle Sehenswürdigkeiten sind zu Fuß erreichbar.
Was kann man in Arlon besichtigen?
Hauptattraktionen sind das Archäologische Museum mit römischen Funden, der Aussichtsturm Knöppchen, die gotische Kirche Saint-Donat und die historische Altstadt mit ihren Antiquitätenläden.
Wann ist Flohmarkt in Arlon?
Der große Flohmarkt findet jeden ersten Sonntag im Monat von 6 bis 15 Uhr in der Innenstadt statt. Er gilt als einer der größten Belgiens.
Quellenverzeichnis
Arlon überrascht jeden, der mehr erwartet als eine Durchgangsstation. Die Stadt verbindet Geschichte mit Moderne, Tradition mit Weltoffenheit. Wer die Grenzregion zwischen Belgien, Luxemburg und Frankreich erkunden will, findet hier den idealen Ausgangspunkt.
Die Mischung macht den Reiz aus. Römische Steine und moderne Infrastruktur, Areler Platt und internationales Flair, Kleinstadt-Gemütlichkeit und europäische Vernetzung. Arlon ist nicht perfekt, aber authentisch.
Planen Sie einen Zwischenstopp bei Ihrer nächsten Reise durch die Ardennen. Oder kommen Sie gezielt wegen des Flohmarkts. Arlon wird Sie nicht enttäuschen.

